Der Verzicht auf synthetische Pestizide ist ökologisch sinnvoll, technisch und wirtschaftlich umsetzbar und erst noch gut für unsere Gesundheit

Der Verzicht auf synthetische Pestizide ist ökologisch sinnvoll, technisch und wirtschaftlich umsetzbar und erst noch gut für unsere Gesundheit

Gesundheit für alle

Synthetische Pestizide verteilen sich seit 20 Jahren überall – auch in unserem Körper. Pestizide und ihre Abbauprodukte lassen sich heute in Urin- und Blutproben sowie im Haar klar nachweisen. Es zeigt sich: Die Natur kann den Abbau nicht bewältigen. Langfristige Studien haben gezeigt, dass eine chronische Exposition gegenüber bestimmten Pestiziden selbst bei sehr niedrigen Konzentrationen negative gesundheitliche Auswirkungen hat. Besonders betroffen sind Kinder. Pestizide können die Entwicklung des Gehirns bei ungeborenen Kindern sowie die sexuelle Entwicklung von Jugendlichen negativ beeinträchtigen. Es ist dringend notwendig, zukünftig auf den Einsatz synthetischer Pestizide zu verzichten.

Synthetische Pestizide werden mit erhöhten Krebsraten, neurodegenerativen Störungen (Aufmerksamkeitsdefizite, Hyperaktivität, Autismus), gestörter Fortpflanzungsfähigkeit, angeborenen Missbildungen, Atemwegs-, Herz- und Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Ausserdem steigert ihre Verwendung das Risiko für Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes.

Vor diesem Hintergrund gibt es kein unüberwindbares technisches Hindernis und auch keine inakzeptablen Ertragsausfälle, die uns daran hindern könnten, wie von der Initiative verlangt innerhalb von zehn Jahren vollständig auf synthetische Pestizide zu verzichten.

PDF │ Der Einfluss synthetischer Pestizide auf Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes

Kinder nehmen mehr Pestizide auf als Erwachsene, da sie trotz ihrer kleinen Grösse für ihre Entwicklung mehr Nahrung benötigen. Wenn sich ihre Organe entwickeln und während der verschiedenen Wachstumsphasen reagieren sie besonders empfindlich auf hormonaktive Substanzen (endokrine Disruptoren). Pestizide haben als hormonaktive Substanzen einen nachgewiesenen negativen Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns bereits bei ungeborenen Kindern. Zudem haben sie einen negativen Einfluss auf die sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

PDF │ Beeinflussen Pestizide die kindliche Gesundheit?

In der Schweiz gibt es keine Statistiken über die Zahl der Landwirtinnen und Landwirte, die von Krankheiten im Zusammenhang mit dem Einsatz von synthetischen Pestiziden betroffen sind. Ein Bericht der französischen Regierung aus dem Jahr 2018 schätzt, dass in Frankreich 100’000 landwirtschaftliche Berufsleute regelmässig synthetischen Pestiziden ausgesetzt sind. Die Zahl der erkrankten Opfer wird inzwischen auf 10’000 geschätzt. Zwei Drittel von diesen leiden an Parkinson und ein Drittel an Blutkrebs (Lymphom, Leukämie).

PDF │ Welche Auswirkungen haben die Pestizide auf die Gesundheit der Landwirt*innen?

In seiner Botschaft zur Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» vom 27. Februar 2019 pries der Bundesrat das Zulassungsverfahren für Pestizide: ‘Diese dürften nur zugelassen werden, wenn sie bei vorschriftsgemässem Umgang keine unannehmbaren Nebenwirkungen auf Menschen und Umwelt hätten. Gesundheitliche Risiken für die Menschen würden kaum bestehen.’ Dies hat sich als doppelt falsch herausgestellt: Der Bundesrat beschloss wenig später, zugelassene Wirkstoffe aus Gesundheitsgründen zurückzuziehen. Das Zulassungsverfahren wird geändert. Weiterhin ist jedoch fraglich, ob auch die chronische Belastung durch Pestizide im Zulassungsverfahren berücksichtigt wird. Unsere Initiative zeigt hier klar mit einem Ja zum Verbot einen Ausweg aus diesen Problemen.

Intakte Umwelt

Umwelt, Tiere und Pflanzen leiden wissenschaftlich erwiesen enorm unter der Verwendung von synthetischen Pestiziden: Die Zahl der Insekten ging innerhalb nur einer Generation um fast drei Viertel dramatisch zurück, Wasserläufe wurden vergiftet, Böden immer unfruchtbarer und ganze Bienenkolonien starben aus. Synthetische Pestizide gelangen über die Luft und das Wasser in natürliche Kreisläufe und zerstören damit ganze Ökosysteme. Mit unserer Initiative und dem Ja zum Verbot wollen wir den massiven Auswirkungen von Giften auf unsere Umwelt ein Ende setzen, das Insektensterben stoppen, das Wasser besser schützen und so die Lebensgrundlagen für kommende Generationen sichern.

Pestizide sind dafür entwickelt, lebende Organismen zu töten. Sie dringen z.B. in das Nervensystem ein und stören lebenswichtige Funktionen. So haben wir in den letzten 30 Jahren bis zu 75% der gesamten Insektenbiomasse verloren und bis zu 40% der Singvögel sind in der Schweiz für immer verschwunden. Dafür verantwortlich ist im Wesentlichen die ressourcenintensive Landwirtschaft mit dem hohen Pestizidverbrauch. Denn diese haben ein tödliches Element eingeführt mit einen erwiesen negativen Einfluss auf die Pflanzenvielfalt sowie die Artenvielfalt im Boden. Um widerstandsfähige und funktionierende Ökosysteme aufrecht zu erhalten, ist die Biodiversität essentiell – sie ist die einzige Art von nachhaltiger Lebensversicherung. Nur ein Ausstieg aus diesen Giften kann das Leben der Artenvielfalt schützen und sie für die Zukunft bewahren.

Die Böden sind die Grundlage allen Lebens. Ohne fruchtbare und funktionierende Böden können keine Pflanzen wachsen, keine Tiere überleben und keine Lebensmittel kultiviert werden. Kurz, die Menschheit ist auf intakte Böden angewiesen. Synthetische Pestizide zerstören das Leben in den Böden und schädigen die Fruchtbarkeit langfristig. In einer kürzlich veröffentlichten Studie der Forschungsanstalt des Bundes (Agroscope) konnte aufgezeigt werden, dass Rückstände von synthetischen Pestiziden noch Jahrzehnte nach deren Verbot in den Schweizer Böden zu finden sind. Um die Produktionsgrundlagen für kommende Generationen zu erhalten, müssen wir auf die Verwendung von synthetischen Giften verzichten und die Böden besser schützen.

Die Schweiz wird oft als “Wasserschloss” bezeichnet – doch sind wir gerade daran, die Sicherheit dieses lebenswichtigen Guts zu verlieren und gefährden so das Recht auf gesundes Wasser für alle Menschen. Heute trinken in der Schweiz über eine Million Menschen verschmutztes Wasser. Dies ist so, da bereits Dutzende Wasserfassungen aufgrund zu hoher Pestizidbelastung geschlossen werden mussten und die Wasserversorger immer grössere Schwierigkeiten haben, genügend unbedenkliches Wasser bereitzustellen. Dies verursacht nicht nur gesundheitliche Folgen, sondern auch immense Kosten für die Steuerzahlenden sowie den Bund, die Kantone und die Gemeinden. Um das Grundwasser in der Schweiz zu schützen, braucht es ein Ja zum Verbot von synthetischen Pestiziden.

Gesundes Essen

Heute sind in nahezu allen Lebensmittel Rückstände von Pestiziden zu finden. Diese gelangen durch die direkte Aussetzung, das Wasser oder die Aufnahme in den Böden in die Lebensmitteln und reichern sich dort an. Auch wer heute biologische Lebensmittel kauft, ist den synthetischen Pestiziden ausgesetzt, denn auch in ihnen sind Spuren der Gifte zu finden. So sind alle Menschen in der Schweiz ungenügend vor den negativen Folgen auf die menschliche Gesundheit geschützt. Zugang zu giftfreiem und unbedenklichem Essen zu haben, soll wieder zum Grundrecht werden – so fordert es unsere Initiative.

Im Biolandbau werden keine synthetischen Pestizide eingesetzt. Gleichzeitig ist es aber so, dass auch in den biologisch bewirtschafteten Böden durch Abdrift durch die Luft sowie durch das Grundwasser synthetische Pestizide nachweisbar sind. Doch es finden sich in biologischen Lebensmitteln erheblich weniger Rückstände von synthetischen Pestiziden. Die gute Nachicht ist: Durch epidemiologische Studien in der Bevölkerung konnte nachgewiesen werden, dass Menschen die sich ausschliesslich oder mehrheitlich von Bio-Lebensmittel ernähren, durchschnittlich ein um 25% geringeres Krebsrisiko haben als Menschen, die sich hauptsächlich von konventionell produzierten Lebensmitteln ernähren.

PDF │ Das Essen biologisch produzierter Nahrung reduziert das Krebsrisiko

Es ist allen bekannt, dass die Schweiz ein Problem hat mit der Verwendung von synthetischen Pestiziden – verschmutztes Wasser, dramatisch sinkende Biodiversität, kontaminierte Lebensmittel. Die Bevölkerung hat genug davon, täglich der gesundheitlichen Gefahr für den eigenen Körper ausgesetzt zu sein. Dies zeigen auch die neusten Zahlen – eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung spricht sich gegen die Verwendung von synthetischen Pestiziden aus und fordert deren Verbot. Dies ist ein Zeichen, dass die Politik seit zu langer Zeit ignoriert. Der Bundesrat kommt seiner Aufgabe – die öffentliche Gesundheit zu sichern – in keinster Weise nach. Unsere Initiative mit dem kompromisslosen Ja zum Verbot ist die richtige Antwort um allen Menschen gesundes Essen zu garantieren. 

Chance für die Landwirtschaft

Eine Landwirtschaft ohne synthetische Pestizide ist bereits heute möglich: Das zeigen über 8’000 Biobetriebe, die keine synthetischen. Pestizide einsetzen und rentabel funktionieren. Mit unserer Initiative stärken wir eine ökologische und faire Landwirtschaft, denn das Verbot gilt sowohl für inländische wie auch für importierte Produkte. Weiter hat die Schweiz in der 10-jährigen Übergangsfrist genügend Zeit, durch Forschung und Entwicklung zum Vorzeigebeispiel für eine gesunde und nachhaltige Landwirtschaft zu werden. So schaffen wir gerechte Bedingungen für unsere Landwirt*innen und alle Bevölkerungsschichten erhalten Zugang zu gesunden und bezahlbaren Lebensmitteln.

Immer wieder werden in importierten Lebensmitteln Rückstände von synthetischen Pestiziden gefunden, die in der Schweiz längst verboten sind. Dies ist nicht nur für die öffentliche Gesundheit ein grosses Problem, sondern schafft eine unfaire Konkurrenz für die Schweizer Landwirtinnen und Landwirte. Um in Zukunft gleich lange Spaten für alle zu schaffen, will unsere Initiative nur noch Lebensmittelimporte zulassen, welche ohne synthetische Pestizide hergestellt wurden und so dieselben Standards einhalten, wie es die CH-Landwirtschaft tun muss. Unsere Initiative bietet also die Grundlagen für eine fairen Wettbewerb.

Heute werden ca. 1% der globalen Forschungsgelder für die Biolandbau-Forschung eingesetzt. Trotzdem hat die Schweiz mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) die weltweit führende Forschungsanstalt für biologische Landwirtschaft im Land. Durch unsere Initiative und die damit verbundene Umlenkung der Forschungsgelder hat die Schweiz die Möglichkeit, ihre führende Rolle auszubauen und zum Pionier als Forschungs- und Entwicklungsstandort für eine nachhaltige und innovative Landwirtschaft zu werden. In der 10-jährigen Übergangsfrist kann die praxisnahe Forschung zudem die Grundlagen schaffen, dass die Schweizer Landwirtschaft ohne synthetische Pestizide auskommt. 

Unsere “Swissness” steht heute international für Präzision, Zuverlässigkeit und hohe Qualität. Um diesen Anspruch zu beweisen, muss sich die Schweiz weiterentwickeln. Der globale Trend, hin zu mehr Nachhaltigkeit und Gesundheit ist der Beweis dafür, dass die Menschen nicht mehr länger bereit sind, eine umwelt- und gesundheitsschädigende Landwirtschaft zu akzeptieren. Mit unserer Initiative hat die Schweiz als Wirtschaftsstandort und Tourismusdestination die Chance, sich mit den Schlüsselwörtern Gesundheit und Nachhaltigkeit international zu positionieren. Ein JA pachtet die Ausstrahlungskraft für die Schweiz sich als “Pestizidfreies Land” ideal für die Zukunft zu profilieren.