Offener Brief an meine Cousine Simone de Montmollin

von Jean-Denis Perrochet aus Auvernier, Demeter-Weinbauer, ehemals konventionell

Sehr geehrte Frau Nationalrätin,
Liebe Cousine,

In Bezug auf die „Initiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide“ und nach der RTS-Radiosendung „Forum“ vom Donnerstag, 29. April, scheint es mir unabdingbar, die Unklarheit zu beseitigen, die aus deinen Wortmeldungen entstanden ist. Ich habe bei Diskussionen meinem Umfeld immer grössten Respekt gezollt und es hat mich verletzt, der intellektuellen Unehrlichkeit bezichtigt zu werden. Wie kannst du das von 7.500 Bäuerinnen und Bauern sagen, die ohne synthetische Pestizide arbeiten?

Ich will darum hier die wissenschaftlichen Fakten analysieren, und zwar eben mit intellektueller Ehrlichkeit:

  • Der Rückgang der Biomasse der Insekten um 75 % in weniger als 30 Jahren erfordert eine dringende Reaktion¹ (die Initiative gibt 10 Jahre Zeit).
  • Gesundheitsbeschwerden wie Parkinson, Krebs, verminderte männliche Fruchtbarkeit steigen stetig² – in der Schweiz liegen die Spermawerte bei 62 % der Männer zwischen 18 und 22 Jahren unter den WHO-Referenzwerten für Männer im fruchtbaren Alter, vorzeitige Pubertät bei Mädchen. Wir müssen entschlossen handeln, „Goodwill“ genügt nicht. Es braucht Vorschriften – wie es auch in anderen Bereichen in der Vergangenheit der Fall war (Asbest, Passivrauchen, Sicherheitsgurt).
  • Eine Einflussnahme auf die Qualität des Essens auf unseren Tellern ist eine rasch umsetzbare Massnahme – angesichts der Dringlichkeit (in Bezug auf Klima, Gesundheit und Umwelt), mit der wir heute konfrontiert sind, dient dies uns allen.
  • Wie der Vertreter von Biosuisse in der Sendung klar sagte, verlangt unsere Initiative kein Biolabel: Die Betriebe mit Biolabel sind von unserem Text nicht betroffen. Die politische Definition für „synthetische Pestizide“ mag fehlen, wir haben aber diesbezüglich immer sehr klar kommuniziert und die von Biosuisse und dem FiBL verwendete Definition übernommen: Synthetische Pestizide sind im Labor erzeugte Moleküle, die in der Natur nicht vorkommen. Weder Kupfersulfat, noch Schwefel, noch Pheromone oder Vitamin C gehören dazu, auch wenn sie industriell erzeugt, synthetisiert oder industriell produziert werden. Das Gegenteil zu behaupten zeugt von Unaufrichtigkeit, das ist es, was die Agrochemielobby macht, die ihr Business verteidigt. Das Gegenteil zu behaupten schadet der demokratischen Debatte.
  • Heute werden 95 % des Kupfers in der Landwirtschaft von konventionellen oder IP-Betrieben³ eingesetzt, was zeigt, dass es nicht im Bioanbau verschlungen wird. Die im Bio- und Demeteranbau pro Hektar erlaubten Mengen liegen weit unter jenen in der konventionellen Landwirtschaft. Auch das ist eine Scheindebatte.
  • Du stellst der Bevölkerung bei einer Ablehnung unserer Initiative „Schweizer“ Essen in Aussicht. Das ist irreführend. Man weiss, dass 60 %⁴ unserer pflanzlichen Nahrung (eins der Hauptanliegen unserer Initiative) importiert wird und Ackerland in rasendem Tempo zubetoniert wird. Heute dienen mehr als die Hälfte der Landwirtschaftsflächen der Tierproduktion, eine Neuausrichtung der Bewirtschaftung eines kleinen Teils dieser Flächen in Richtung Pflanzenbau und eine Reduzierung der Lebensmittelverschwendung (dzt. bei ca. 30-40 %) würden es ermöglichen, unseren Selbstversorgungsgrad deutlich zu steigern. Etwas, dessen du dir sehr wohl bewusst bist.
  • Auch wenn sie noch verbessert werden können, so gibt es bereits Kontrollen von importierten Label-Produkten, diese könnten einfach ausgeweitet werden. Es ist falsch, zu behaupten, dass dies nicht möglich ist.
  • Auf agronomischer Ebene zeigen die schweizerischen (DOK) und amerikanischen (Rodale)⁵ Langzeitversuche, dass ein Anbau ohne synthetische Pestizide eine Revitalisierung der Böden und eine höhere CO2-Bindung in den Böden (das auf weltweiter Ebene beste Mittel gegen die Klimaerwärmung), mehr Bodenfruchtbarkeit und bessere Erträge bewirkt. Heute – mit der industriellen Landwirtschaft – sinkt die Bodenfruchtbarkeit⁶, die Erträge können nur mithilfe von immer mehr Pestiziden und Kunstdünger aufrechterhalten werden, deren Herstellung sehr CO2-intensiv ist.
  • Wie kann man noch ein System verteidigen, das zu einem Rückgang der landwirtschaftlichen Beschäftigten um 90 % in weniger als 50 Jahren führte und heute den Rückgang der Fruchtbarkeit oder gar das Absterben der landwirtschaftlichen Böden bewirkt – dem unverzichtbaren Werkzeug der bäuerlichen Bevölkerung, die du kennst und vorgibst zu verteidigen?
  • In Bezug auf die Preise hat die derzeitige Pandemie die regionalen Märkte und den Ab-Hof-Verkauf gefördert. So haben die Menschen, die Bioprodukte kaufen, festgestellt, dass die an die Produzentinnen und Produzenten gezahlten Preise viel tiefer sind als die Preise im Supermarkt. 90 %⁷ des Mehrwertes eines Bioproduktes gehen an die Verarbeitungsindustrie und die Grossverteiler. Heute ist eine gesunde Ernährung mittels Einkauf im Detailhandel ein Privileg der Reichen. Das ist inakzeptabel. Unsere Initiative wird diese Quelle sozialer Ungleichheit korrigieren, weil dann sogar die Lebensmittel im niedrigen Preissegment garantiert ohne synthetische Pestizide hergestellt sein werden und damit gesünder sind. Skaleneffekte (Logistik, Verpackung, Einsparungen bei Hilfsmitteln für den Pflanzenschutz) und der faire Wettbewerb in Bezug auf die Gewinnspannen werden mittelfristig (in den 10 Jahren, die in unserer Initiative vorgesehen sind) eine Senkung der Ladenpreise ermöglichen. Ausserdem wird diese Preissenkung nicht zulasten der Produzentinnen und Produzenten gehen. Vorzugeben, dass die Lebensmittel unbezahlbar sein werden, und sich auf die derzeitigen Biopreise zu beziehen, um den Leuten Angst zu machen, lässt Demagogie erkennen.

Eine gesunde Wirtschaft bedingt eine gesunde Gesellschaft, die Zugang zu Lebensmitteln ohne giftige Rückstände haben muss. Im Gegensatz zu deinen Aussagen, liebe Cousine, verkaufen die Initiantinnen und Initianten weder Träume, noch sind sie unehrlich. Wir sind eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern, die einen politischen Stillstand anprangern, der seit Jahrzehnten in Bezug auf die Umwelt und die Gesundheit andauert. In beinahe 5 Jahren (seit der Lancierung unserer Initiative, gefolgt von jener der sogenannten „Trinkwasserinitiative“ eines anderen unabhängigen Komitees) wurde kein anderer Vorschlag gefunden, der diesen Namen verdient. Du bist gut darüber informiert, weil du dazu beigetragen hast, jegliche verpflichtende Gesetzgebung im Bundesparlament im Keim zu ersticken. Die AP2022+ wurde abgelehnt und dann sistiert (zweifelsohne in der Hoffnung, dass die Initiativen abgelehnt werden, um dann nichts am Einsatz synthetischer Pestizide zu ändern), es kam zur schweren Geburt eines Pakets von Verordnungen, die derzeit in Vernehmlassung sind und nur die Wasserversorgung behandeln. Gesundheit und Umwelt werden vernachlässigt. Die Senkung des Risikos des Einsatzes von Pestiziden um 50 % (ohne jegliches Anforderungskriterium) bleibt vage, unmöglich zu definieren und in der Sache unverbindlich, genauso wie der Aktionsplan des Bundes, von dem nur ein geringer Teil heute kärgliche Früchte trägt. Angesichts der Grössenordnung der zu lösenden Probleme illustrieren diese Verordnungsentwürfe schlicht den mangelnden Willen oder die mangelnde Fähigkeit der Politik, die Probleme von Grund auf anzugehen. Diese sehr partiellen Massnahmen werden sicherlich nicht genügen.

Unsere Initiative garantiert den Zugang zu gesunden Lebensmitteln für alle, das ist ein Grundrecht und keine extreme Massnahme, wie du es lautstark und unsorgfältig behauptest. 7.500 Biobäuerinnen und -bauern, zu denen ich gehöre, beweisen täglich, dass das, was wir einfordern, möglich ist.

Ich vertraue darauf, dass das Schweizer Volk diese Abstimmung – eine der wichtigsten in ihrer Geschichte – nutzen wird, um endlich ihr Schicksal und jenes ihrer Umwelt in die Hand zu nehmen, um die Zukunft und die Gesundheit künftiger Generationen zu erhalten.

Jean-Denis Perrochet

Demeter-Weinbauer, ehemals konventionell

Auvernier, 8. Mai 2021

 

Quellen:

  1. Hallmann, C.A., Sorg, M., Jongejans, E., Siepel, H., Hofland, N., Schwan, H., Stenmans, W., Müller, A., Sumser, H., Hörren, T., Goulson, D. & de Kroon, H. (2017) More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PLOS ONE, 12, e0185809.
  2. Rahban, R., Priskorn, L., Senn, A., Stettler, E., Galli, F., Vargas, J., Van den Bergh, M., Fusconi, A., Garlantezec, R., Jensen, T.K., Multigner, L., Skakkebæk, N.E., Germond, M., Jørgensen, N., Nef, S. & the, N.W.G. (2019) Semen quality of young men in Switzerland: a nationwide cross-sectional population-based study. Andrology, 7, 818-826.
  3. https://pesticides-en-question.ch/wp-content/uploads/2021/05/Umstrittene-Pestizide_21-05-03-Site.pdf
  4. https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/land-forstwirtschaft/ernaehrung.assetdetail.13127966.html
  5. rodaleinstitute.org
  6. Díaz, S., Settele, J., Brondízio, E., Ngo, H.T., Guèze, M., Agard, J., Arneth, A., Balvanera, P., Brauman, K., Butchart, S., Chan, K., Garibaldi, L.A., Ichii, K., Liu, J., Mazhenchery Subramanian, S., Midgley, G.F., Miloslavich, P., Molnár, Z., Obura, D., Pfaff, A., Polasky, S., Purvis, A., Razzaque, J., Reyers, B., Chowdhury, R.R., Shin, Y.-J., Visseren-Hamakers, I., Willis, K. & Zayas, C. (2019) Summary for policymakers of the global assessment report on biodiversity and ecosystem services of the Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services.
  7. Flückiger, S. & Haller, T. (2021) Marktanalyse Milch und Milchprodukte. 24 Seiten. Schweizer Tierschutz STS.

 

 

In der Schweiz sind schätzungsweise etwa 300’000 Männer von Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion, Impotenz) betroffen. Für viele Männer ist Impotenz ein äußerst unangenehmes Thema. Der Arztbesuch und Medikamentenkauf in der ortsansässigen Apotheke ist Betroffenen häufig peinlich, weshalb sie online nach einer diskreten Lösung suchen. Erektionsstörungen wirken wie eine große Sache, aber sind es letztlich nicht. Der Bestellvorgang ist einfach – wählen Sie ein Medikament aus potenzmittel-schweiz.ch rezeptfrei. Nachdem Ihre Bestellung genehmigt wurde, liefern wir sie diskret in naher Zukunft aus.

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