Ein wichtiger Auslöser der modernen Umweltbewegung war Rachel Carsons Buch «Stummer Frühling» (Silent Spring). Es zeigt, wie der ungebremste Einsatz von Pestiziden die biologische Vielfaltzerstört.

Von Balthasar Glättli, Präsident GRÜNE

Auch 60 Jahre nach Carsons Bestseller gilt: Wenn Pestizide das Insektensterben beschleunigen, dann verstummen am Schluss auch die Vögel. Die Frage, unter welchen Bedingungen die Landwirtschaft in der Schweiz Nahrungsmittel produziert, bewegt. Schweizer Bürgerinnen und Bürger sind offensichtlich immer weniger bereit, bei den Risiken und Nebenwirkungen der industrialisierten Landwirtschaft beide Augen zuzudrücken.

So entstand die Initiative «Leben statt Gift» für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide. Aus der Mitte der Bevölkerung. Denn die Sorge um die Biodiversität ist weit über die Kreise von Grünen hinaus in der Bevölkerung verbreitet.

So stellte zum Beispiel eine Umfrage der Parteileitung der FDP/die Liberalen ihren Mitgliedern die Frage nach den Pestiziden? Zwei Drittel haben sich für ein Verbot von Pestiziden ausgesprochen. Leider haben die Freisinnigen aber diesen klaren Wink der Parteibasis ignoriert und nicht einmal einen Gegenvorschlag zur Pestizidinitiative unterstützt.

«Ich bin Konsument in diesem Land.»

Im Gegenteil: sie haben sogar aktiv die Agrarpolitik 22+ (AP 22+) sistiert. Der Bundesrat wollte die Schweizer Agrarpolitik sanfte Richtung Ökologie verändern. Sogar das war der bürgerlichen Mehrheit zuviel. So wurde die AP 22+ auf die lange Bank geschoben. Und wird wohl erst im nächsten Jahr diskutiert.

Als ich im Nationalrat im Frühling 2019 zur Pestizid-Initiative sprach, sagte ich: «Ich gebe Ihnen meine Interessenbindung bekannt: Ich bin Konsument in diesem Land. Ich habe Bedarf, jeden Tag Nahrungsmittel zu essen – und ich esse gerne Schweizer Nahrungsmittel. Ich möchte, dass die Schweiz hier endlich verbindliche Schritte vorwärtsgeht, damit ich diese Nahrungsmittel mit einem guten Gewissen essen kann, weil ich weiss, dass dabei nicht die natürlichen Grundlagen der Nahrungsmittelproduktion infrage gestellt werden.

Selbst wir Grünen, die immer wieder gewarnt haben, sind erschrocken, als wir den letzten Bericht des Weltbiodiversitätsrates lasen und merkten: Das Artensterben ist nicht einfach irgendeine ferne Bedrohung, sondern das globale Artensterben ist eine brutale Realität – eine brutale Realität, die letztlich auch die Zukunft unserer Nahrungsmittelproduktion und damit die Zukunft der Menschheit selbst infrage stellt.»

Darum setze ich mich als Präsident der Grünen aktiv dafür ein, dass eine Mehrheit der Schweizer*innen am 13. Juni 2021 – im Sinne dieser Interessenbindung – überzeugt JA sagen zur Initiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide.